Zehn Mal am Tag Blutzucker messen, fast genauso oft Insulin spritzen, ständig die Dosis neu anpassen, alle zwei Wochen zum Diabetologen: "Während der Schwangerschaft wurde mein Diabetes zum Vollzeitjob", sagt Jessica V.. "Aber ich wusste ja, wie wichtig das ist."
Ende September brachte die 29-Jährige ihre Tochter Jette zur Welt. Kerngesund und ein echtes Wunschkind. Schon ein Jahr vor der Schwangerschaft begann die Typ-1-Diabetikerin, intensiv an ihren Blutzuckerwerten zu feilen. "Meine Diabetologin hat mir geraten, die Pille erst abzusetzen, wenn mein HbA1c-Wert um die 6,5 liegt", sagt die glückliche Mutter.
Bei schlechten Blutzuckerwerten sind Komplikationen häufiger
Dass die Ärztin es so genau nahm, hat einen Grund: Bei schlechten Blutzuckerwerten kann es während der Schwangerschaft eher zu Komplikationen kommen. Das Kind kann beispielsweise zu groß und zu schwer werden. Sind die Werte in den ersten Monaten zu hoch, sind Fehlbildungen und Fehlgeburten häufiger. Deshalb raten Experten Frauen mit Diabetes, Schwangerschaften geplant anzugehen und rechtzeitig mit dem Gynäkologen und auch mit dem Diabetologen über den Kinderwunsch zu sprechen.
Frauen mit Typ-1-Diabetes, die trotz intensivierter Insulintherapie unbefriedigende Zuckerwerte haben, hilft es oft, vor der Schwangerschaft auf eine Insulinpumpe umzusteigen. Damit lässt sich die Insulindosis noch besser auf den Bedarf abstimmen.
Jessica V. spritzte ihr Insulin weiter mit dem Pen. Die Ärztin riet ihr aber, statt des lang wirkenden Analoginsulins herkömmliches Verzögerungsinsulin (NPH-Insulin) zu spritzen. Auch wenn es keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko durch Analoginsuline gibt, reichen die Erfahrungswerte mit den lang wirkenden Analoginsulinen nicht aus.
Weil sich der Insulinbedarf während der Schwangerschaft ständig ändert, sollte man mit dem Diabetologen rechtzeitig besprechen, wie man die Dosis am besten anpasst. "In den ersten drei Monaten kann die Schwangere häufiger unterzuckern – darauf sollte sie vorbereitet sein", sagt Dr. Heinke Adamczewski von der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Schwangerschaft der Deutschen Diabetes Gesellschaft.
Auch Augen und Schilddrüse kontrollieren
Ebenfalls wichtig: ein Besuch beim Augenarzt. Manche Diabetiker haben, oft ohne es zu wissen, Schäden an der Netzhaut. Während einer Schwangerschaft verschlechtern sich diese häufig. Das lässt sich durch eine Laserbehandlung verhindern. Und noch ein Organ sollten Frauen mit Babywunsch kontrollieren lassen: ihre Schilddrüse. Vor allem Frauen mit Typ-1-Diabetes haben nicht selten eine Unterfunktion, die die Entwicklung des Kindes gefährden kann.
"Bei mir war zum Glück alles in Ordnung", sagt Jessica V.. Seit Jettes Geburt, dreht sich bei ihr nicht mehr alles um die Zuckerwerte. "Die sind trotzdem ziemlich gut", sagt sie. "So gut, dass ich beim Stillen immer was zum Essen brauche, damit ich nicht unterzuckere."
Perfekt vorbereitet auf die Schwangerschaft
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Daniela Pichleritsch / Diabetes Ratgeber;
20.02.2012
Bildnachweis: W&B/Michael Bader
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